Pflege und Vorsorge - heute

Fulda, 30.04.2016

Autor: Patrick Harnier, 42 Jahre, Leiter Privatbank der VR Genossenschaftsbank Fulda eG

Viele Menschen sparen für das Alter. Aber auch die beste Vorsorgestrategie wird schnell hinfällig, wenn die Pflegebedürftigkeit eintritt. Denn im Pflegefall ist das eigene Vermögen und das der Angehörigen bedroht. Aktuell sind in Deutschland bereits 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig (ohne Demenzfälle) und werden durchschnittlich etwa 8 Jahre gepflegt. Im Jahr 2030 erwartet man etwa 3,4 Millionen Pflegebedürftige – bei sinkender Bevölkerungszahl. So äußern 60 % der Bevölkerung, dass sie große Angst vor der Pflegebedürftigkeit haben.


Man unterscheidet bei der Pflegebedürftigkeit 4 Stufen. In der Stufe I liegt der geringste, in der Stufe III der höchste Pflegebedarf vor. In der Pflegestufe 0 sind z. B. Demenzerkrankungen eingeordnet. In Abhängigkeit von der Pflegestufe zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung aktuell bei einer vollstationären Pflege in der Stufe I monatlich pauschal 1.064 €, in der Pflegestufe II 1.330 € und in der Stufe III 1.550 €. Doch diese Pauschalbeträge reichen bei weitem nicht aus. So sind bei der stationären Pflege z. B. in Stufe III in Pflegeheimen Kosten von durchaus 3.500 € nicht unüblich. Die Differenz muss durch andere Einkünfte (z. B. Rente) ausgeglichen werden.


Jedoch muss man beachten, dass die Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung oft nur 1.000 – 1.400 € beträgt. Entsteht eine Unterdeckung, dann werden die Ersparnisse aufgebraucht und / oder Wohneigentum verwertet. Reicht dies nicht, muss Sozialhilfe beantragt werden. Ggf. können Kinder und deren Ehegatten in Regress genommen werden.


Daher empfiehlt sich der frühzeitige Abschluss einer privaten Pflegeversicherung. Die private Pflegeversicherung füllt die Lücke zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den Kosten, die mit der tatsächlichen Pflege verbunden sind. Somit ist die Pflegeversicherung genauso wie die Berufsunfähigkeitsversicherung ein besonders wichtiger Baustein. Der Staat fördert ab 2013 die private Pflegevorsorge („Pflege-Bahr“). Jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, erhält für eine förderfähige Pflegezusatzversicherung eine staatliche Zulage. Diese beträgt 5 € im Monat, wenn ein Eigenbeitrag von mindestens 10 € im Monat gezahlt wird. Sie erhalten Leistungen in allen Pflegestufen, mindestens jedoch monatlich 600 € in der Pflegestufe III.


Auf was ist beim Abschluss einer Pflegeversicherung zu achten?
Der Preis alleine ist nicht ausschließlich entscheidend, Qualitätsgesichtspunkte spielen bei der Auswahl einer Pflegeversicherung eine entscheidende Rolle. Prüfen sie daher die Details. Hier nur einige Punkte auf die man achten sollte: Wie hoch ist der Leistungsumfang je Pflegestufe? Wie erfolgt die Einstufung in die jeweilige Pflegestufe, wird z. B. ein „Best-of-Prinzip“ nach Sozialgesetzbuch oder Punktesystem (ADL-Punkte) vorgenommen? Wie sind die Leistungen und die Einstufungen bei Demenz? Besteht die Möglichkeit im Todesfall nicht für die Pflege „verbrauchtes“ Kapital an die Angehörigen auszuschütten? Ab wann gilt der Absicherungsschutz? Die Komplexität der Absicherung macht die ganzheitliche Betrachtung der Einkommens-, Vermögens- und Absicherungssituation nötig.
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